Es gibt bis heute keinerlei verlässliche Studie, die Vorteile eines TFL nachweist, so wird häufig seitens des ADAC's argumentiert. Im Gegenteil: Die scheinbar trügerische Tagfahrlichtsicherheit führt tagsüber zu
- mehr Unfällen mit ungeschützten Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern und Zweirädern
- mehr Auffahrunfällen durch die Bremslichtüberdeckung mit der roten Rückleuchte
- schlechterer Sichtbarkeit der vorderen Blinkleuchten (Blinklichtüberdeckung)
- Mehrkosten durch höheren Benzinverbrauch und häufigere Reparaturen (50-250 €)
- mehr Risikobereitschaft durch höheres Sicherheitsgefühl
- schlechterer Erkennbarkeit von Rettungsfahrzeugen.
Zwar ist die Anzahle der Contra-Argumente größer als die der Pro Argumente, aber dieser Vergleich wäre zu wenig ernsthaft. Im einzelnen:
Bisher ist es nur den Motorradfahrern vorbehalten auch am hellen Tage mit Licht zu fahren. Der Gesetzgeber hat dieses extra so verordnet, um die Sichtbarkeit von Motorradfahrern und damit deren Personenschutz zu verbessern. So sieht es auch heute noch aktuell die Straßenverkehrsordnung nicht ohne Grund vor: Zu Beginn der 80er Jahre wurden die hohen Unfallzahlen bei Motorradbereich durch Einführung von Stufenführerschein und eben diesem gesetzlichen Tagfahrlichtgebot plötzlich stark rückläufig.
Diese stetige rückläufige Tendenz war bis etwa 2004 im Motorradbereich zu beobachten, obwohl der Bestand an Motorrädern in den 90er Jahren um fast 50% anstieg.
Seit kurzem steigt die Zahl der Motorradunfälle wieder deutlich an, zuletzt in 2005 um knapp 5%. Ähnliches wird in Österreich, nach Einführung des flächendeckenden TFL mit Sorge beobachtet.
Ein Zusammenhang zwischen der Nutzung des Tagfahrlichtes von PKW's bei gleichzeitigem Verlust der Wahrnehmbarkeit von Zweirädern mag vielleicht als Spekulation erscheinen, Erfahrungen nicht nur bei unseren niederländischen Nachbarn erhärten aber diesen Zusammenhang.
Die Zahl der Auffahrunfälle wird stark ansteigen, weil viele Autofahrer das normale rote Rücklicht bei Einführung einer Lichtpflicht quasi ständig vor Auge haben, das helle Bremslicht fällt dann nicht mehr so ins Auge. Insbesondere im Stadtverkehr, bei dichtem Verkehr aber auch auf der Autobahn, wo am Tage die Bremslichter häufig eine Gefahr (z.B. Stau) signalisieren, werden so z.T. wichtige Lichtsignale leichter übersehen, gerade auf Autobahnen fatalen Folgen. Diesen Aspekt werden viele erst später, ggf. bei einem Auffahrunfall realisieren.
Hinzu kommt ggf. noch die schlechtere Sichtbarkeit der (vorderen) Blinkleuchten, weil diese durch das helle Abblendlicht häufig verschluckt werden. Da aber ohnehin die Blinktendenz in Deutschland sich in Richtung Anonymität entwickelt -bloß niemanden zeigen, wohin man fährt-, dürfte dieses weniger stark ins Gewicht fallen.
Der Aspekt des Energieverbrauches beim Fahren mit Licht am Tage wurde mehrfach untersucht und wirkt sich insbesondere im Stadtverkehr aus, Mehrverbräuche von bis zu 0,7 Liter auf 100 km sind laut AvD möglich, realistisch dürften etwa 0,3 Liter pro 100 km sein.
Alleine diese Mehrverbrauchskosten liegen bei gut 40 Euro pro Jahr pro Fahrzeug.
Hinzu kommen noch die zusätzlichen Kosten für den häufigeren Glühlampenwechsel, bei ständigem Betrieb halten sie etwa nur 1 Jahr. Bei einzelnen PKW-Modellen mit Xenon-Lichtern sind hier schon mal bis zu 500 Euro und mehr zu bezahlen, denn auch hier gibt es nur eine begrenzte Lebensdauer, aber auch alle 2 Jahre 500 Euro und das bei X Millionen Pkw ... ein Supergeschäft!
Auch das Wechseln der Glühlampen ist bei vielen Fahrzeugen schon Werkstattsache. Bei bestimmten Modellen werden 60 Minuten Arbeitszeit nötig, der Austausch defekter Instrumentenlampen kann noch länger dauern und damit teurer werden.
Wird das Tagfahrlicht für alle PKW Pflicht bedeutet dieses bundesweit etwa 3% mehr Benzinverbrauch und den 3 bis 5 fachen Umsatz bei Autolampen und diesbezüglichen Reparaturen.
Ein älterer PKW mit Abblendlicht wird dann, je nach Modell, insgesamt mit zusätzlichen Kosten zwischen minimal 50 und bis zu über 300 Euro jährlich zu rechnen haben.
Die hochgelobten Tagfahrlichtleuchten werden bei Neuwagen als Extra mit saftigen Aufpreisen verkauft, Zubehörleuchten für Alt-PKW kann man mit Einbau ab etwa 200 Euro bekommen.
Die Kampagnen für das Fahren mit Licht am Tage sind also sowohl für die Mineralölwirtschaft als auch die Automobil- und Zuliefererindustrie mit ihrer großen Lobby ein Milliardengeschäft, alleine etwa 1,6 Milliarden Euro Treibstoffmehrkosten.
Da auch der Staat bei Einführung einer deutschlandweiten Taglichtpflicht durch höhere Steuereinnahmen profitiert, stehen alle Zeichen auf Einführung eines längst vorbereiteten Gesetzes.
Was zählt angesichts solcher lukrativer Umsatzsteigerungen da schon das Leben von Zweiradfahrern, sollen sie doch Auto fahren, aber bitte mit Licht!
Die drohende Einführung einer Taglichtpflicht kann somit als Musterbeispiel einer sehr erfolgreicher Lobbyarbeit der Mineralöl- und Autozuliefererindustrie in Zeiten allgemeiner Konsumzurückhaltung angesehen werden. Die Bevölkerung in Zeiten eines gestiegenen Bewusstseins bezüglich Ökologie und gesunder Lebensweise zum erhöhten Konsum fossiler Brennstoffe zu motivieren, das funktioniert nur mit dem Schüren von (Unfall-)Ängsten oder dem Versprechen von persönlicher Sicherheit (per Knopfdruck).
Häufig führten aber in der Vergangenheit zusätzliche und neue Sicherheitstechniken im und am nun eigentlichen sicherreen Auto zu erhöhten Unfallzahlen.
In den 80er Jahren haben Autoversicherungen bei den ersten, mit ABS ausgestattenen PKW's Lehrgeld bezahlen müssen: Es gab zu Beginn 5%-10% Rabatt für PKW's mit ABS. Diese PKW'S verursachten aber dann überdurchschnittlich deutlich mehr Unfälle, als PKW's ohne ABS: der Rabatt wurde schnell gestrichen, ein Aufpreis aber nicht durchsetzbar!
Die Benutzer der zweifelslos eigentlich sicheren ABS-PKW's verursachten mehr Unfälle, vermutlich durch eben ein trügerisches Sicherheitsgefühl (Risikokompensation), und eben dieses wird auch jetzt durch die TFL-Diskussion suggeriert.
Das in bestimmten Fällen durch vermeintlich scheinbar größere Gefahr auch mehr Sicherheit erzeugt wird, beweisen Verkehrsprojekte, die derzeit in einigen niedersächsischen Städten mit großem Erfolg für alle Verkehrsteilnehmer, auch die kaum geschützten Fußgänger und Zweiradfahrer, durchgeführt werden.
Wir leben in einem traditionellen Autofahrerland, in dem die Interessen von Zweirädern nicht so hoch angesiedelt sind, wie bei unseren holländischen Nachbarn.
Deutschland ist das Land in Europa
- ohne Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen
- mit den niedrigsten Strafgeldern bei Verkehrsverstößen.
In vielen anderen Ländern wurde das Unfallproblem eben durch Tempolimits und drastische Strafverschärfung erreicht, nicht aber durch Einführung einer Lichtpflicht. Dieses würde aber in unserem Lande zu heftigsten Protesten führen, jetzige Befürworter des TFL würden solche Vergleiche dann als falsch und nicht anwendbar zurückweisen, der ADAC würde heftigst protestieren.
Probleme macht die Tagesfahrlicht-Gewohnheit bereits den Rettungsdiensten und der Polizei, die mit ihrem Licht bei Tageseinsätzen nun weniger auffallen.
Häufig wird das Argument angeführt, beim Gurt, beim ABS etc. wären auch anfänglich viele Menschen dagegen gewesen. Eine gesetzliches Taglichtpflicht ist aber keine neue Erfindung, wie der Sicherheitsgurt damals, es ist derzeit als Sicherheitsinstrument ausschließlich für Rettungsdienste und Motorradfahrer vorgesehen. In dem Augenblick, in dem ein Autofahrer nun am hellen Tage mit Licht fährt, nimmt er diesem Motorradfahrer einen wichtigen Sicherheitsfaktor einfach weg und mißbraucht ihn eigentlich für seine Zwecke, ohne Rücksicht auf den anderen Verkehrsteilnehmer.
Insofern würden durch die Einführung einer Taglichtpflicht die Schwerpunkte wichtiger Verkehrsvorschriften stark verändert werden, zu Ungunsten schwächerer und ungeschützter Verkehrsteilnehmer.
Vielleicht sollten eben diese Taglichtfahrer lieber mal statt eines schwarzen Autos ein rotes, gelbes oder orangenes kaufen, dieses wäre eine sicherere,kostengünstigere und umweltfreundlichere Variante besser gesehen zu werden, dem Hauptargument der Befürworter.
Solange kein gesicherter Nachweis vorliegt, sondern sich eher heraus kristallisiert, dass der ohnehin schon gut geschützte Autofahrer ggf. geringfügigst mehr geschützt wird, ungeschützte Verkehrsteilnehmer aber einem höheren Gefährdungspotenzial ausgesetzt ist, sollte man uneigennützig den eventuell möglichen PKW-Unfall einem Zweirad- oder Fußgängerunfall vorziehen.